Hilfe, ich bin eine Philologin! Holt mich aus den Geisteswissenschaften heraus!

 

I

Ich bin eine Philologin und spreche zur Gesellschaft, doch die Gesellschaft ist nicht eingeladen. Experten sprechen über die Gesellschaft, jedoch selten mit ihr. Erneut stehen wir im Angesicht unserer selbst: Wir sprechen von Experte zu Experte in den „Baumdiskursen“ (J. Link) an den runden Tischen der „Kreisdialoge“ (V. Flusser).

 

II

Unser Lieblingsthema ist die „Interdisziplinarität“, die in die „Häuser des Wissens“ (J. Mittelstraß) eingeladen wird. Die Gesellschaft bleibt vorerst ausgeschlossen. Sie bleibt ausgeschlossen, weil sie nicht Teil einer Kommunikation sein kann, die sich erst einmal darüber im Klaren werden muss, was sie intra-disziplinär überhaupt zum Ausdruck bringen möchte. Oft scheitert der Dialog an der inner-akademischen Verständnislosigkeit benachbarter Fachdisziplinen. Wie wollen wir da überhaupt eine Kommunikation mit der Gesellschaft führen?

 

III

Das Gegenüber, das wir ansprechen wollen, ist ein Gespenst der konstruktiven Fähigkeiten unseres theoretischen Geistes. Die Gesellschaft existiert nicht, wohl aber „soziale Felder innerhalb des Feldes der Macht“ (P. Bourdieu). Zu wem also sprechen wir und wer wird uns erhören? Sind wir jene „Geschäftsleute des Wissens“ (I. Kant) geworden, denen Kant in seinem „Streit der Fakultäten“ den Kampf angesagt hat? Sind wir jene Priester und Rechtsprecher des Textes, die den naturwissenschaftlichen Disziplinen „Lebenswissen“ (O. Ette) gewonnen aus literarischen Texten verkaufen?

 

IV

Sind wir gar Ärzte der Kultur, die nach den Symptomen eines erkrankten Organismus suchen, um ihm Heilungschancen zu versprechen? Wir waren einst Wissenschaftler des Geistes. Dann vertrieben wir den Geist aus den Geisteswissenschaften (F. Kittler). Nun sind wir Vertriebene im Reich des Wissens auf der Suche nach einer neuen Heimat. Wer wird uns Exilanten aufnehmen wollen, ohne dass aus der Integration eine Assimilation an eine dominierende Theorie- und Methodengeschichte erfolgt?

 

V

Eines ist sicher: Wir haben die Phasen der Legitimation und Integration überlebt. Wir haben uns nicht anderen Disziplinen ausgeliefert. Wir haben den Kontakt gesucht und sind in einigen Fällen erfolgreich daraus hervorgegangen. Die Massen an wissenschaftlicher Antragsprosa haben uns gerettet!

 

VI

Nun jedoch ist es an der Zeit den Kontakt mit der Öffentlichkeit zu suchen – in den sozialen Medien. Wir müssen dieser Aufgabe als neue Avantgarde von Bloggern und Bloggerinnen vorangehen, um das Überleben unserer Disziplin zu sichern.

 

 

Connect, Share, Write

 

Die Idee: „Academia goes Pop“ ist eine Initiative von Literaturwissenschaftlern, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Öffnung der akademischen Expertenmonologe hin zu einer fachfremden interessierten Öffentlichkeit, was soviel heißt wie: Für Alle & Keinen!

Interdisziplinär

 

Das Ziel: Die Etablierung einer interdisziplinären Schreibplattform ausgehend von den einzelnen Philologien zu anderen Disziplinen wie den Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften sowie den Sozial- und Humanwissenschaften.

Science as Boulevard

 

Schreibe über den (wahren) Gossip auf Konferenzen polemisch, kritisch, informativ, über unvollendete Theorien, die in deiner Schublade hausen, Compare the ARTS in Filmen, Serien & Literatur. Fabuliere über „Die vielen Zukünfte deiner Wissenschaft“ innerhalb und außerhalb des akademischen Feldes.