… der wohl geschwätzigste Film Tarantinos


Wenn man Tarantino hört, denkt man zurecht an viel Blut, noch mehr schwarzen Humor und allseits bekannte Westernelemente. All das bekommt der Zuschauer in Tarantinos achtem Feature-Film (eine Tatsache, die schon im Vorspann mehr als deutlich hervor gehoben wird) geboten und zwar in Form eines Kammerspiels, für das er extra das Ultra Panavision 70mm-Breitbildformat aus der Mottenkiste ausgegraben hat. Genau dieses Format erlaubt es ihm einige wenige beeindruckende Landschaftsaufnahmen auf die Leinwand zu bringen.


Ein Film so holprig wie die Kutschfahrt durch das verschneite Wyoming


Wenn man beim starken Auftakt noch das Gefühl hat, dass die Story Großes zu bieten haben muss, so sehnt man sich nach spätestens einer Stunde nach der etwa 12-minütigen Intermission. Besonders die zahlreichen langatmigen Wortgefechte der acht im Schnee gefangenen Reisenden tragen zu diesem Gefühl der Enge und des teilweise scheinbaren Stillstands bei.

Den Einstieg bietet Samuel L. Jackson, als Major Marquise Warren, der seit Ende des Bürgerkrieges als Kopfgeldjäger tätig ist und inmitten einer verlassenen Schneelandschaft auf drei Leichen sitzt. Als eine Kutsche vor ihm hält, bittet er nach Zuflucht und trifft so auf seinen alten Bekannten John Ruth (Kurt Russel), auch der Henker genannt. Dieser hat die Gefangene Daisy Domergue (großartig dargestellt von Jennifer Jason Leigh) im Schlepptau, welche er nach Red Rock zum Hängen bringen möchte, um dort seine Belohnung von 10.000$ abzuholen. Später gesellt sich noch der angebliche neue Sheriff von Red Rock, Chris Mannix (Walton Goggins) zu den Reisenden. Als sie wegen des herannahenden Schneesturmes Rast bei ihren alten Bekannten in „Minnies Miederwarenladen“ machen müssen (wobei Minnie selbst unerwartet nicht zugegen ist), treffen sie auf vier, scheinbar nicht miteinander verbündete Unbekannte, die den beiden misstrauischen Kopfgeldjägern sofort ein Dorn im Auge sind.

Die statischen und größtenteils eindimensionalen Charaktere tragen wenig zum Voranschreiten der zähen Handlung bei. Wo man persönliche Entwicklung erwarten könnte, wird lediglich mit Klischees gespielt. Erst am Ende des dritten Kapitels und somit kurz vor der Intermission fliegt die erste Kugel durch die Holzhütte. Somit beginnt die zweite Hälfte des Films wesentlich stärker, als die erste Hälfte selbst in ihren stärksten Momenten sein konnte. Die Verachtung der Hateful Eight für ihre mutmaßlichen Widersacher, die in den ersten drei Kapiteln durch Dialoge aufgebaut wird, entlädt sich ab der zweiten Stunde in literweise Kunstblut, Kugelhagel und umherfliegende Körperfetzen.

Die offensichtlichste Stärke des Films ist die Musik. Was schon die 10-minütige Ouvertüre anklingen lässt, zieht sich durch den gesamten Film. Ennio Morricone hat bereits die Musik für Sergio Leones Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) geschrieben und führt mit seinen ausdrucksstarken Kompositionen mehr als eindrucksvoll durch den sonst eher emotionslos daherkommenden Tarantino-Western.

The Hateful Eight ist ein weiterer klassischer Tarantino-Film mit wenigen Überraschungsmomenten. Im Vordergrund stehen mal wieder die menschlichen Abgründe und die übliche Kritik des Regisseurs an den Rassenunterschieden in den Vereinigten Staaten. Der Film kommt leider nur schwer in Schwung und selbst während der Höhepunkt-Momente fehlt von Empathie gegenüber den Charakteren und von Spannung jede Spur.